Ilha do Cardoso & Boa Vista, Brasilien

Zwischen 1995-1999 führte der Steinschleuder e.V. aufgrund hoher Nachfrage von Baucampinteressenten gleich zwei Projekte in Brasilien durch: in der Favela Boa Vista in Sao Paulo und in dem Fischerdorf Marujá auf der Ilha do Cardosa, 300 km südlich von Sao Paulo.

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Blick auf die Favela Boa Vista

Im Rahmen von drei Baucamps des Steinschleuder e.V. wurde von 1995-1997 in dem Armenviertel Boa Vista im brasilianischen Sao Paulo ein kleines Haus zur Kinderbetreuung und ein Gemeindezentrum aufgebaut. 2006 stattete ein ehemaliger Baucampteilnehmer dem Projektort einen Überraschungsbesuch ab und stellte begeistert fest, dass aus der "Holzhütte" ein richtiger Kindergarten geworden ist, mit schön gestaltetem Außengelände. Auch das Centro Communitario ist mit Leben gefüllt, es bietet im Untergschoss Platz für einen Computerraum, eine Postverteilstelle, einen Raum für Besprechungen und Feiern. Das Obergeschoss wird als Arztpraxis genutzt, indem verschiedene Ärzte (Zahnarzt, Kinderarzt, Psychologe, Allgemeinmediziner) jeweils einige Stunden die Favala-BewohnerInnen ohne Bezahlung behandeln.

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Bei diesem Projekt wohnten die Baucampgruppen in einer Gemeinschaftsunterbringung in der benachbarten Waldorfschule, die als Privatschule jedoch eher von den privelegierten Familienmitgliedern aus Sao Paulo besucht wird. Aus Sorge vor Kriminalität war die Schule von einer hohen Sicherheitsmauer umgeben, Besuche in der Favela galten als gefährlich. Für die TeilnehmerInnen, die in der Favela arbeiteten, mit dortigen Jugendlichen und Mithelfern ihre Freizeit verbrachten und Freundschaften aufbauten, war diese Unterbringung hinter Schutzwällen ein schwer zu akzeptierendes Erlebnis. Heute gibt es nun eine Tür in der Mauer, die den Weg in die Favela freigibt - ein Zeugnis der zunehmenden Kooperation von Schulinitiativen und der Gemeinschaftsvertretung der Favela. Durch die gemeinschaftliche Arbeit und Feste mit Menschen aus der Favela bekamen die BaucampteilnehmerInnen intensive Einblicke in das soziale Leben, die Kultur Brasiliens, lernten aber auch die harten Lebensbedingungen von Bewohnern der Armenviertel kennen.

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Bei der Arbeit in Boa Vista

Um die Infrastruktur in der Favela Boa Vista in Sao Paulo zu gestalten, hatten sich dortige BewohnerInnen zu einem Gremium zusammengeschlossen und erfolgreich die Versorgung mit Elektrizität und Kanalisation hergestellt. Im Anschluss daran sollten vor allem die sozialen Beziehungen gefördert wrden, weshalb die Gemeinschaft gemeinschaftlich ein Grundstück erwarb, auf dem ein Gemeindezentrum und Kinderbetreuungsangebot entstehen sollte. Von dieser Initiative erfuhr der Steinschleuder e.V. und bot bei der Realisierung seine Mitarbeit an, so dass es im Sommer 1995 zum ersten Baucamp in Boa Vista kam, das mit dem Engagement der Projektpartner gestemmt wurde.

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Der Graben für die Frischwasserleitung

Von 1995-1997 und 1999 führte der Steinschleuder e.V. ein weiteres Projekt in Lateinamerika durch, in dem 300 km südlich von Sao Paulo gelegenen Nationalpark Ilha do Cardoso. In den ersten drei Baucamps wurde ein Staubecken gebaut und eine cirka 7 km lange Frischwasserleitung gelegt, die das Fischerdorf Marujá mit Trinkwasser versorgt. 1998 wurde die Wasserleitung im Beisein von Politikern, der Parkleitung, einigen Vertretern des Steinschleuder e.V. und den vor Ort wohnenden Fischerfamilien offiziell eingeweiht. 1999 wurde dann in einem weiteren Baucamp noch ein Klärsystem gebaut, welches durch Säuberung des Abwassers der fortschreitenden Versalzung des Bodens entgegenwirkt.

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Im Kontrast zu den parallel stattfindenden Workcamps in der Favela Boa Vista in der pulsierenden Großstadt Sao Paolo, zeichneten sich die Aufenthalte in Marujá durch die abgeschiedene Lage des Projektortes, die ländliche Umgebung und das naturverbundene Leben der Gemeinschaft der Fischerfamilien aus. Zwar war die Gruppe gemeinsam bzw. in Vierergruppen untergebracht, dennoch nahmen immer 1-2 TeilnehmerInnen die Mahlzeiten in "ihrer" Gastfamilie ein. Der kulturelle Austausch fand darüber hinaus jedoch gerade auch bei der Projektarbeit statt, bei der die Familien tatkräftig mitanfassten, als auch bei gemeinsam verbrachten Abenden und Festen. Für die BaucampteilnehmerInnen blieben vor allem auch die Exkursionen in den nahegelegenen atlantischen Regenwald, Mangrovengebiete und zu den beeindruckenden Iguacù-Wasserfällen bleibende Erlebnisse.

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Der Bootssteg der Fischer von Marujá

Anfang des Jahres 1995 erfuhr der Steinschleuder e.V. von einer Fischergemeinde in Brasilien, im Nationalpark Ilha do Cardoso, die sich vor der zunehmenden Verunreinigung ihres Trinkwassers durch den Bau einer Wasserleitung schützen wollte. Allerdings fehlten nicht nur die finanziellen Mittel, sondern auch die staatliche Unterstützung. Die zuständigen Politiker sahen in dem verunreinigten Grundwasser einen Anlass, die unliebsamen Bewohner umzusiedeln, um Platz für ein Ferienparadies zu schaffen. Die Vorstellung, diese Maßnahme durch die Umsetzung der lokalen Idee einer Wasserleitung, die von einer Quelle ins Dorf Marujá gelegt werden sollte, zu verhindern, überzeugte den Steinschleuder e.V. Im Somme 1995 startete das illegale Projekt aufgenommen, jedoch nach kurzer Präsenz vor Ort erklärten sich die Parkleitung und die zuständigen Politiker einverstanden.