Der folgende Text von Valentin Vollmer (25) ist im Infoheft Nr. 22 (2004) erschienen. Valentin Vollmer hat die Vorbereitungsreise nach Tansania unternommen und im ersten Tansania-Baucamp die Bauleitung übernommen.

:: »Erasto Luandos Erkenntnis«

Es gibt eine Menge zu tun, überall auf der Welt. Aber wichtig ist uns immer, das die Projekte nicht von uns gestartet werden, sondern, dass wir nur Unterstützer sind. Aus diesen Gründen ist ein gewisses Engagement und Initiativkraft vor Ort immer unabdingbar. Einen Menschen, der ebensolches Engagement beweist, und gleichzeitig innovative Ideen zur nachhaltigen Entwicklung in seinem Land hat, ist Erasto Luanda. Er kommt aus Tansania, hat in Kenia Philosophie und in Irland Community Development studiert, und ist dann in sein Heimatland zurückgekehrt. Schon früh hat er erkannt, dass Bildungssystem (für afrikanische Verhältnisse schon recht gut) noch viele Schwierigkeiten hat, und dass dort die Wurzeln für viele der Probleme liegen. Also im Umkehrschluss hat er erkannt, dass eine nachhaltige Verbesserung der Bedingungen im Land nur durch eine Änderung im Schulwesen möglich ist.

:: »Über das tansanische Schulsystem«

Einblick in Schulklasse der ECC

Die Schulen in Tansania sind in drei Bereiche aufgeteilt: Nursery, was einer Vorschule entspricht, der Primary School, mit einer 7-jährigen Grundschule zu vergleichen, und die Secondary School. Der Abschluss der Secondary School mit dem Advanced Level (A-Level) ist Voraussetzung für den Besuch der Universität. Seit einiger Zeit ist der Besuch der Primary School obligatorisch und kostenlos. Der Unterricht findet in der Landesüblichen Sprache Suaheli statt, und Englisch wird als Schulfach unterrichtet. Leider kann die Regierung mit dem mit der Schulpflicht aufkommenden Bedarf an Primary Schools nicht ganz mithalten, und so ist es keine Seltenheit, dass man von 50 bis zu 100 Schülern in einer Klasse findet. Bei dieser Anzahl von Schülern leidet neben dem Lehrer natürlich auch die Effizienz des Unterrichts gewaltig, und trotzdem ist nicht für alle Schüler Platz an den Schulen. In der Secondary School ist dann Englisch die Unterrichtssprache, und somit sind ein guter Englischunterricht sowie gute Mitarbeit in der Primary School unbedingte Vorraussetzung für den Zugang zur höheren Bildung. Leider ist in vielen Fällen das Englisch der Schüler aus den o. g. Gründen so miserabel, dass sie entweder einen extra Kurs besuchen müssen, was sich natürlich nicht jeder leisten kann, oder sich sofort gegen die Secondary School entscheiden.

:: »Gegen den Strom schwimmen«

Mit viel Engagement und neuen Ideen schwimmt Erasto hier gegen den Strom. 1997 hat er mit eigenem Geld eine Schule aus der Taufe gehoben, die sich in wichtigen Punkten von den staatlichen unterscheidet. Nach vielen Anlaufschwierigkeiten konnte sich diese Schule von 1999 an sehr gut entwickeln und weiter wachsen. Ohne jegliche Hilfe von außen, nur durch Eigenkapital konnten Stück für Stück immer mehr Schüler aufgenommen werden, irgendwann ein Grundstück weit außerhalb der Stadt erworben und ein paar Klassenräume errichtet werden. Langsam haben sich die Widerstände gelegt, und im Sommer 2003 wurde die Schule offiziell staatlich registriert und ist nun voll anerkannt. Nur dem starken Engagement von wenigen Menschen ist die Gründung und das Wachsen der Schule zu verdanken. Im April 2003 war der Hauptinitiator Erasto auf der internationalen Jugendtagung „Connect“ in Dornach, wo ich [Valentin Vollmer] ihn zufällig zwischen den über 500 Teilnehmern traf. Nur kurz haben wir uns ausgetauscht und doch ist eine Menge hängen geblieben, so dass wir anschließend noch  in E-mail und Postkontakt standen. Schnell hatten wir viele Informationen über die Schule und die dahinter stehenden Ideen und ein neues Projekt für den Steinschleuder e.V.