Motivation des Schulgründers Erasto Luanda

Der folgende Text von Lisa Käufling (21) ist im Infoheft Nr. 24 (2006) erschienen.

:: »Die Philosophie der Gerechtigkeit«

Gerade komme ich vom Baucamp in Tansania zurück. Wir haben in den letzten zwei Jahren zwei große Schlafhäuser für Kinder gebaut, die dort ein Zuhause finden können. Dank Erasto, einem Tansanier, der in Nairobi (Kenia) Philosophie studierte, ist diese Kooperationsprojekt ermöglicht worden. Dieses Jahr, gab es im Laufe des Baucamps einen Abend, an dem Erasto uns in unserem Hostel, wo wir alle untergebracht waren, besuchte, um uns von dem Ursprung seiner unerschöpflichen Motivation zu berichten - seiner Philosophie der Gerechtigkeit. Für uns alle war es ein sehr wichtiges Ereignis, denn wenn der Initiator eines Projektes persönlich von seiner Intention spricht, motiviert es einen unwahrscheinlich.

Erasto Luanda im Gespräch

Nun möchte ich kurz einige seiner Worte wiedergeben, da sie beschreiben, unter welchen Voraussetzungen er um die Schule kämpft/e. Ich hoffe, dass anhand des folgenden Abschnitts deutlich wird, mit welchem Potential und welchen Idealen Erasto all seine Kraft investiert um Kindern eine bessere Zukunft zu schenken. Erasto versuchte über Jahre hinweg, bereits in seiner Studienzeit in Kenia, Straßenkindern den dunklen Alltag vergessen zu helfen oder ihnen, wenn möglich eine neue Perspektive zu bieten. Er hatte im Laufe der Zeit viele Misserfolge und kaum Hilfe. Eine seiner begonnenen Schulen endete mit drei Kindern, die noch erschienen. Für nur diese drei Kinder hielt er die Schule dennoch weiterhin offen. Dieses Beispiel schildert Erastos Einstellung, dass es jedes kleine Leben wert ist, dafür zu kämpfen. Oft bemühte er sich mit den Eltern darüber zu reden, wie wichtig die Bildung für ihre Kinder sei. Doch vergebens, die Eltern nutzten die Kinder lieber als Arbeitskraft oder konnten das Geld für die Schule nicht aufbringen.

Einsicht in die Elu Children Care

Erasto arbeitete ein Schulkonzept nach seiner Vorstellung aus, träumte von dessen Verwirklichung. Er arbeitete täglich als Nachhilfelehrer in Englisch, um das Projekt finanzieren zu können. Alleine durch die Gelder seines Unterrichtes konnte er ein Grundstück aufkaufen und nach und nach Klassenzimmer errichten. Dies scheint unmöglich, aber er ist ein Mann des Unmöglichen. Für das Errichten der Schule benötigte er Jahre, doch durch seine Selbstlosigkeit schaffte er diese Schritte ohne jegliche äußere Hilfe. Er selbst wohnt zur Miete und baut Häuser für andere. Die Hilfe der Steinschleuder konnte Erasto entlasten, den Prozess des Bauens beschleunigen und die finanziellen Möglichkeiten stellen, den Kindern der bereits fertig gestellten Schule ein Zuhause zu schenken.

Gemeinsame Akrobatik von Steinschleuderern und ECC-Lehrern

Obwohl Erasto Gründer der Schule ist, möchte er selbst nicht als höher gestellt angesehen werdenn. Er fordert Gleichheit unter allen Kollegen, wo er Putzfrauen, sowie Busfahrer mit einbezieht. Er selbst möchte nicht Direktor der Schule genannt werden, sondern alle, die an der Schule tätig sind, werden "auntie" und "uncle" (Tante und Onkel) gerufen. Durch diese Anrede schafft er absolute Gleichheit. Ihm liegt es am Herzen, dass alle Menschen gleich viel wert sind, die Grossen und die Kleinen, wie auch die Armen und die Reichen. Die Kluft zwischen Arm und Reich lindert er beispielsweise dadurch, dass kein Kind sein eigenes Essen mitbringt. Alle kochen zusammen und genießen die gleiche Mahlzeit. Ebenso tragen alle die gleiche Uniform. Das Schulkonzept sieht für alle eine Chance auf Bildung vor. Die Regulierung der Finanzen sieht vor, die Ärmeren durch die Wohlhabenden zu tragen. Erasto appelliert an die Gesellschaft mit denen zu teilen, die Hilfe brauchen. Wir alle hörten ihm an diesem Abend gespannt zu. Für uns alle war es unermesslich motivierend, zu fühlen, dass wir mit dem Gründer der Schule an einem Strang ziehen. An diesem Abend bekam der Begriff menschliche Solidarität eine neue Bedeutung. Erasto betonte, wir seien in seinem kompletten Leben die ersten Menschen, die ihn in seiner Sache unterstützten. Seitdem lebt seine Idee in mir fort. Das Vollkommene steckt in der Tat selbst, indem wir ihm helfen seine Vision zu erfüllen, erfüllen wir unsere mit.