Eindrücke auf dem Weg zur Baustelle

Der folgende Text von Lisa Müller (?) ist im Infoheft Nr. 24 (2006) erschienen.

:: »Schlaftrunken...

6:30 Uhr. Der Wecker klingelt. Ich stehe auf, ziehe meine Arbeitsklamotten an. Um kurz vor 7 Uhr klopft es an der Tür. "Morgenkreis" ruft der Weckdienst. Wir treffen uns alle auf der Veranda und beginnen den Tag gemeinsam. Anfallende Arbeiten und Termine werden besprochen und dann gibt es Frühstück. Es gibt Bananen, Weisbrot und die leckerste Marmelade der Welt. Dann wird das Tor mit einem lauten Quietschen aufgeschoben und der Schulbus ist da. Wir beladen ihn mit Wasser und Bananen, packen unsere Sachen und sind schon unterwegs. Ich schaue mich um und sehe, dass ich nicht die einzige bin die mal wieder müde in den Sitzen hängt und schaue raus auf die Straße.

:: ...und doch so viel zu sehen«

open air Holschnitzarbeiten

Wir fahren auf der mit Schlaglöchern übersäten, roten Sandpiste, vorbei an kleinen Holzständen, deren Besitzer gerade ihre Waren auf der Theke sortieren. Orangen und Tomaten werden zu kleinen Kunstwerken drapiert und der Stand gereinigt. Kinder in Uniformen sind auf dem Weg zur Schule und blicken uns ungläubig an. Wir, die "Weißen" (Wazungu), sind immer eine Attraktion in Morogoro, denn die Stadt ist so gut wie gar nicht touristisch erschlossen. Aber schon bald zeigt sich ein Lächeln auf den Gesichtern der Kinder und sie winken uns freudig nach. Ich sehe auch Hausfrauen, die den Hof fegen, Wäsche waschen, Feuerholz holen und Essen kochen. Meist haben sie ihre Jüngsten mit Tüchern auf den Rücken gebunden. Hier geschieht alles, das alltägliche Leben, die Arbeit usw. auf der Straße. So kann ich als Zuschauer einen Einblick bekommen und ein Stück daran teilhaben. Hier ist die Busstation. Der Kochdienst (meist 2 Personen) steigt mit einer Tansanierin aus. Sie fahren in die Stadt, um die Lebensmittel für den Tag zu kaufen. Auf der Straße halten sie ein Dala Dala (Kleinbus) an und springen hinein, wir fahren weiter. Nun kommen wir in eine reichere Wohngegend. Hier sehe ich Villen mit hohen Zäunen und schweren Eisentoren. Hinter den Mauern sind schöne Gärten und kleine Parks zu sehen. In diesem Viertel gibt es keine Straßenstände und nur wenige Menschen sind auf den Straßen unterwegs. Wir passieren Felder und Gestrüpp, überqueren Bahnschienen auf denen ich noch nie einen Zug habe fahren sehen.

:: »Die Busfahrt: ein täglicher Glücksmoment«

Die Fahrradwerkstatt vor der ECC

Endlich kommt die Einfahrt zum Universitätsgelände in Sicht, auf dem wir die Schule bauen. Der Pförtner kennt uns schon und öffnet schnell die Schranken. Ich lasse meinen Blick über die Landschaft streifen und sehe die verschlafene Stadt, die sich in der Ferne, nebelverhangen an die Uluguru - Mountains schmiegt. Langsam gewinnt die Sonne an Kraft und vertreibt die Müdigkeit. Dann kommt der riesenhafte Affenbrotbaum in Sicht und mein Blick bleibt wie jeden Morgen daran hängen. Ich überlege wie lange der wohl schon dort steht. Was er schon alles erlebt hat. Meine Gedanken werden vom Anblick der Fahrradwerkstatt unterbrochen. Diese haben ein paar Männer unter einem Baum eingerichtet. Es ist immer wieder erstaunlich wie erfindungsreich die Menschen hier sind, bzw. sein müssen. Sie winken uns zu und dann kommt auch schon die Schule in Sicht. Wir alle hatten Zeit uns auf den heutigen Tag vorzubereiten, unsere Gedanken zu ordnen und nun mit Elan an die Arbeit zu gehen. Für mich zählen die Busfahrten zu den schönsten Momenten des Tages.