Status Quo: 2010

Dieser Text entstand nach einer Reise von Hanne Leßau im März 2010 nach Ouakam und in das Projekt Yokkoo.

Obligatorisches Gruppenfoto [03/10]

Auch im 9. Jahr ihres Bestehens fand in der Vorschuleinrichtung Yokkoo der Schulbetrieb für etwa 70 Kinder in drei Klassen statt. Die Schule hat derzeit sechs Arbeitsplätze geschaffen, die fünf Frauen und einem Mann ein – zwar bescheidenes – aber monatliches Einkommen ermöglichen. Das Prinzip, Kindern aus sozial schwachen Familien den Besuch der Schule unentgeltlich zu ermöglichen, findet auch 2010 Anwendung. Dies betrifft etwa 10% der Schüler.

:: Die schulische Situation in Ouakam

Als wir 2001 das Projekt begannen, gab es in Senegal keine staatliche Bildungspolitik für die kindliche Frühbildung. In Ouakam gab es zu diesem Zeitpunkt auch noch keine nennenswerten privaten Vorschulinitiativen. Dies hat sich seitdem stark geändert. Sowohl startete die Regierung unter Abdoulaye Wade ein staatliches Vorschulsystem und konzipierte die so genannten cases des tout petits, deren Anzahl jedoch angesichts der Bevölkerungsanzahl und des Bedarfs an Vorschulbildung verschwindend gering ist. 

Der Pausenhof [2010]

Mit der Aufmerksamkeit, die der Staat kindlicher Bildung schenkte, ging jedoch eine Gründungswelle privater Vorschulen einher. In Ouakam gibt es neben 1. case des tout petits mittlerweile zahlreiche Vorschulen. Im Gegensatz zu Yokkoo handelt es sich hierbei jedoch oft um Wohngebäude, in denen die Schulen eingerichtet wurden und die wenig geeignete Räume für Kinder und keinen Schulhof besitzen. Hierdurch zeichnet sich Yokkoo positiv aus und wird dafür auch immer wieder für die Präsentation von Vorschulen vor staatlichen oder ausländischen Delegationen ausgewählt.
Im Vergleich zu den anderen Vorschulen in Ouakam liegt das Schulgeld bei Yokko absichtlich niedrig, um gerade auch armen Familien Schulbildung zu ermöglichen (4.000 FCFA gegenüber 6.000-8.000 FCFA).

:: Ouakams rasantes Wachstum

Ouakam hat in den letzten Jahren ein gewaltiges Wachstum erlebt. Zahlreiche Stadtviertel sind innerhalb weniger Jahre völlig neu entstanden, in bereits bestehenden Vierteln wurden zahlreiche neue Bauten errichtet. Ouakam ist längst kein village traditionnel mehr, wie es in den alten Gründungsquartiers vielleicht noch den Anschein hat, sondern auf dem Weg zu einer 60`000 Einwohnerstadt. Dabei ist Ouakam zu einem beliebten Wohnort gerade auch reicherer Bewohner von Dakar City oder anderen Regionen geworden, da es sich in den Randbezirken der Megacity befindet und etwas mehr Ruhe und Erholung ermöglicht. Dies birgt auch soziale Spannungen, da die neu entstehenden Viertel nicht nur architektonisch, sondern auch habituell in starkem Kontrast zu den bisherigen Wohnvierteln stehen.

Auch die Anbindung an die touristischeren und immer stärker zum noblen Ausgehviertel mutierenden Almadies stellt Anreize dar. Durch diese Entwicklungen hat Ouakam, das durch seine Lage einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt darstellt, ein enormes Verkehrsaufgebot. Sehr wichtige Straßenachsen verlaufen durch Ouakam (Corniche de l’Ouest, Route Américaine etc.), die in den letzten Jahren durch Investitionsprojekte massiv ausgebaut und mittlerweile ungemein stark befahren sind. Für Kinder stellt diese Veränderung eine wirkliche Gefahr dar: immer wieder gibt es Unfallopfer und -tote zu beklagen.

:: Folgen für Yokkoo

Für die Vorschule Yokkoo bedeutet diese Verkehrszunahme ein akutes Sicherheitsproblem: Sie liegt nicht nur unmittelbar an einer stark befahrenen Straße, sondern zudem auch eher am Stadtrand von Ouakam, wodurch Kinder aus den meisten Stadtvierteln gleich mehrere Straßen zu überwinden haben, bis sie die Vorschule erreichen. Nicht zuletzt aus Sorge um die Sicherheit ihrer Kinder, führt diese Situation dazu, dass nicht so viele Kinder die Schule besuchen, wie unterrichtet werden könnten, was natürlich einen Einfluss auf die Einnahmen hat.
Seit neun Jahren und damit mit unmittelbarer Beendigung der baulichen Kooperation haben die Projektpartner die Schuleinrichtung zum Leben gebracht und auf beeindruckende Weise bewiesen, dass sie den Schulbetrieb und das alltägliche Funktionieren der Schule garantieren können. Sie haben aus dem Gebäude erst eine funktionierende Schule, die Kindern Bildung ermöglicht und Personal ein Einkommen sichert, gemacht. Das soziale Prinzip der Schule (geringes Schulgeld/ärmere Kinder vom Schuldgeld befreit), als auch die Nicht-Auslastung führt allerdings dazu, dass die Einnahmen fast gänzlich wieder in den laufenden Schulbetrieb investiert werden müssen und keine Rücklagen gebildet werden können.

:: Lösungsidee: Ein Schulbus

Im Gespräch mit den Projektpartnern wurde deutlich, dass die langfristig sinnvollste Maßnahme, ein Schulbus darstellen würde. Mit diesem würden mehrere Probleme zugleich behoben werden:
- die Sicherheit der Kinder wäre gewährleistet
- mehr Eltern würden ihre Kinder in der Vorschule Yokkoo anmelden
- es würden mehr Kinder Schulgeld bezahlen
- diese regelmäßige Mehreinnahme würde das Geld für Sprit und Gehalt für einen Fahrer deutlich übersteigen
- es könnten nach und nach Rücklagen gebildet werden für den nötigen Anstrich des Gebäudes, die Ausbesserung des Bodens etc.

Dank der tatkräftigen Unterstützung zahlreicher Spender_innen haben wir die entsprechende Summe nach dem Kostenvoranschlag von etwa 7500€ zum Jahresende 2010 zusammen bekommen  - dafür noch einmal herzlichen Dank. Im Frühjahr des Jahres 2011 konnten die Projektpartner einen geeigneten Bus vor Ort erwerben, der mit dem neuen Schuljahr 2011/12 zum Einsatz kommen wird.