Die Gruppe 2003

Der folgende Text von Miriam Frieding (19) ist im Infoheft Nr. 22 (2004) erschienen.

:: »Die Besonderheiten dieser Gruppe«

Jede Gruppe lässt sich anhand ihrer ganz speziellen Besonderheiten charakterisieren, was selbstverständlich auch auf die Baucampgruppe-2003 zutrifft. Schon das sperrige und nicht gerade leichte Fluggepäck macht zwei Dinge deutlich: 1. Bei dieser Gruppe sind die zugelassenen 20kg Gepäck im Flugzeug nicht annähernd ausreichend! 2. Diese Gruppe weiß sich gegen Langeweile zu helfen.: Fußbälle, Devilsticks  und Jonglierbälle kennzeichneten so manches Gepäckstück. Die Anti-Langeweile- Prognose sollte sich bestätigen.

:: »Sportsfreunde«

Gleich nach unserer Ankunft begannen schon die ersten ihr Devilstick- und Jongliertraining. Besonders die Jungs dieser Gruppe waren recht Sportbegeistert und gerne bereit ihre Kräfte mit denen der Senegalesen zu messen. Auch wenn kein Steinschleuderer jemals so viele Kniebeugen und Liegestützen wie ein Senegalese schaffen würde, so gingen die Steinschleuderer doch im Ringen, beim Fußball- und beim Basketballspielen häufig als Sieger hervor. Aber nicht nur das Fußballspielen am Strand, auch das Schwimmengehen erfreute sich in dieser Gruppe recht großer Beliebtheit, was auch nicht die große Zahl der Seeigelopfer nicht ändern konnte. Dank der „Freiwilligen“, die sich ohne Badeschuhe ins Meer trauten und in Seeigel traten, wurden wir bald mit den traditionellen senegalesischen Heilmitteln diesbezüglich vertraut. Die Schmerzen der Opfer wurden als Dank mit Tapferkeitsmedaillien geehrt.

:: »Kreative Freizeitgestaltung«

Der Skat- Virus verbreitete sich penetrant in der Gruppe. Schon bald wurde von den Befallenen jede freie Minute zum Skatspielen verwendet. Schon bald klebten die Karten nur noch, sodass das Austeilen der Karten schon zu einem schwierigen Ereignis wurde. Man kann bei einem Baucamp sicherlich nicht von Entspannung und Erholung pur reden, doch hatte diese Gruppe ein gutes Gespür dafür, die Zeit zwischen dem Arbeiten als Erholung und als Urlaubszeit zu gestalten, und es sich gut gehen zu lassen. Es gab kreative Ideen das etwas eintönige senegalesische Frühstück aufzubessern. So mancher spendete aus Deutschland importierten Honig, Schwarzbrot, oder Erdbeermarmelade an die Gruppe (zumindest war jetzt klar, warum die Rucksäcke so schwer waren!).

:: »Schmerzhafte Erfahrungen auf dem Markt«

Marktfrauen in Ouakam

Ebenso wie unser Gepäck im Vergleich zu den letzten Jahren recht beträchtlich war, so waren auch die privaten Ausgaben in diesem Jahr von besonders hohem Ausmaß. Ich möchte hier die Konsumfreudigkeit dieser Gruppe unterstreichen. Wenn auch zu Anfangs so manchem/r Dakar mit all den Gefahren und bedrängenden Händlern verhasst war, so wollte doch jeder ein Stück Afrika für sich selbst und eines für all die Freunde und Verwandte mit nach Deutschland nehmen. Der Ein- oder andere ließ sich bis zum Schluss immer wieder mal von einem Händler einen Bären aufbinden. Doch  Andere wiederum entwickelten sich zu wahren Handelsprofis, die alle Tricks des Senegalesischen Marktes ausfindig machten. Nicht nur Ammadou, der Verkäufer am nächsten Kiosk, auch der Stoffhändler von Ouakam kannte bald fast jeden von uns mit Namen .

:: »Warmduscher, Brausetrinker, Löffelesser«

Innerhalb der Gruppe ließ sich eine „Hierarchie der Härte“ deutlich erkennen. Auch wenn der „Warmduscher“ sich im Senegal nicht unbedingt mit warmen Wasser duscht, so war er doch leicht ausfindig zu machen. Im Gegensatz zum „robusten“ Steinschleuderer“ der sein Trinkwasser einfach entkeimt und trink, ekelt sich der sensiblere Typus  vor dem Chlorgeschmack und würde ohne seinen großen Vorrat an Brausetabletten schier verdursten. Wer allerdings noch sensibler ist, und nicht nur seine Geschmacksnerven, sondern auch sein Immunsystem schonen möchte, der kauft sich sein Wasser. Des weiteren lässt sich ein ins Blut über gegangener Senegalfahrer daran erkennen, dass er es den Senegalesen gleichtut und mit den Händen ist, während der an der europäischen Kulturverhaftende wohllieber zum Löffel greift.

:: »Youssou N'Dour, Ataya und gute Laune«

Tanzeinlage nach getaner Arbeit

Diese Gruppe zeichnete sich zudem daurch aus, dass sie sich unwahrscheinlich schnell  in der senegalesischen Kultur einlebte und begeistert am Nachtleben teilnahm. Ob Ataya-trinken auf Badous Terasse, Youssou´n dur – Konzert oder Raggea-Party, die meisten der Gruppe opferten gerne dafür ihre Nächte, ihre veschlafenen Augen auf der Baustelle zeigten bald den chronischen Schlafmangel. Die ganze Gruppe schien den Senegalaufenthalt mit jedem Atemzug zu genießen, was auch der freundschaftliche Umgang miteinander zeigte. Natürlich ist bei einer Gruppe von 25 Personen der Kontakt zwischen den Einen stärker als zwischen den Anderen, doch im großen und ganzen lässt sich sagen, dass sowohl innerhalb der Gruppe als auch zu den Senegalesen  ein intensiver Austausch stattfand. Es gehörte zu den angenehmen Seiten dieser Gruppe, dass sich ein jedes Mitglied um eine angenehme und lockere Atmosphäre bemühte. Selbst in anstrengenden Situationen fiel das Stimmungsbarometer nie ganz und immer war noch jemand zum Scherzen aufgelegt.