Ausflug auf die "Slaveninsel" Gorée
Der folgende Text von Miriam Frieding (16) ist als Artikel im Infoheft Nr. 18 (2001) erschienen.
:: »Anreise im car rapide«
Wir hatten uns alle sehr auf unseren Ausflug zur Ile de Gorée gefreut. Denn die ehemalige Sklaveninsel ist nicht nur von geschichtlicher Bedeutung; auch von der Architektur, dem Strand, der Idylle der Insel hatten wir gehört. Und wir hatten nichts gegen einen erholsamen entspannten Tag einzuwenden.
Um zum Hafen zu gelangen durchquerten wir im Car Rapide (einem kleinen Bus, in den mit viel quetschen 35 Leute passen...) ein gutes Stück von Dakar. Als wir ausstiegen empfing uns salzige, stark nach Fisch riechende Meeresluft. Wir trafen uns alle in der Fährhalle. Einige unserer senegalesischen Freunde begleiteten uns. In der Fährhalle und später auf der Fähre war es voll und eng: alles Touristen die auch nach Gorée wollten. Wir fuhren nicht lange mit der Fähre. Schon bald konnten wir die einzelnen Gebäude auf der nur 1 km langen und 300 m breiten Insel ausmachen. Als wir auf Gorée anlegten schwammen Kinder um das Schiff herum und bettelten. Händler boten uns sofort ihre Waren an. Gorée ist absolut auf Touristen eingestellt. Ein paar Wörter Englisch sprach dort fast jeder, mancher sogar deutsch.
:: »Geschichte von Gorée«
Dreieinhalb Jahrhunderte wurde Gorée von den europäischen Kolonialmächten umkämpft. 1815 wurde Gorée endgültig Frankreich zugesprochen. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die Insel ein wichtiger Warenumschlagsplatz. Im 17. und 18. Jahrhundert gelangte Gorée durch den vermehrten Sklavenhandel zu seiner traurigen Berühmtheit und dem Titel Sklaveninsel. Zwischen 1776 und 1778 wurden die Maisons des Esclaves – die Sklavenhäuser – auf Gorée errichtet. Aus ganz Westafrika wurden Afrikanerinnen und Afrikaner hierher verfrachtet, um anschließend in die „Neue Welt“ verschleppt zu werden. Die Sklaven wurden auf den Schiffen unter so unmenschlichen Bedingungen zusammengepfercht, dass oft nur die Hälfte oder ein Drittel lebend in Amerika ankam. Die Maisons des Esclaves bedeuteten für viele Afrikanerinnen und Afrikaner Leid und Entsetzen. Eines der Sklavenhäuser kann heute noch auf Gorée besichtigt werden.
:: »Eindrücke«
Danach beschlossen wir, uns Gorée unabhängig voneinander in kleinen Gruppen anzuschauen. So sahen wir die ehemaligen Herrenhäuser, die wohl einmal sehr prächtig waren, doch inzwischen nur noch schöne Ruinen sind. Auf dem höchsten Punkt der Insel sahen wir ein Mahnmal zum Gedenken der Opfer der Sklaverei. Einige von uns gingen in das Museum der Frau, in dem einige Haushaltsgeräte und Informationen zur Geschichte der Frau in Afrika ausgestellt sind. Auch konnte man auf Gorée sehr schön im Meer baden gehen und die meisten gönnten sich zum Mittagessen eine Abwechslung zum Cebucën (Reis mit Fisch).



