Leben in einer Gastfamilie

Der folgende Text von Caroline Klein und Julika Schulz ist im Infoheft Nr. 27 (2008) erschienen.

:: »Ankunft und Empfang«

Nachdem wir den Flughafen in Cebu City nach einem scheinbar endlosen Flug erreichten, wurden wir dort von Gloria und Mandy, unseren Projektpartnern und einigen Jugendlichen der CYSC-Gruppe herzlich aufgenommen und mit einer kleinen Feier samt cebuanischem Volkstanz auf der NAFTEC-Farm Willkommen geheißen. Die erste Nacht verbrachten wir zur Eingewöhnung auf der Farm und wurden dann bereits am nächsten Abend von unseren Gastfamilien abgeholt und mit einem kleinen Ritual in die Familien aufgenommen. Voller Vorfreude, Spannung und Neugierde gingen wir los, um unser neues Zuhause für die nächsten drei Wochen kennen zu lernen. Vor allem für die Neulinge unter uns war dies ein neues aber wunderschönes Gefühl in eine völlig neue Welt einzutauchen, in der die Menschen in sehr einfachen Verhältnissen leben und dennoch so viel Herzlichkeit, Liebe und Wärme ausstrahlen.

Baucamplerin im Kreise ihrer Gastfamilie [2008]

Maria und ich (Caroline) konnten die Bindung zu unserer Gastfamilie in diesem Jahr weiter ausbauen, da wir das zweite mal in unserer Familie lebten. Dies ist für mich ein wunderbares Gefühl, da ich das ganze Jahr mit meinen Gastschwestern in Email-Kontakt stand und die Rückkehr in meine Gastfamilie eine Art nach Hause kommen für mich bedeutete. Mit Freudentränen in den Augen war ich überglücklich, alle wieder in die Arme schließen zu können und das neugeborene Baby meines Gastbruders, von dem ich schon so viel gehört hatte, endlich kennen zu lernen.
Ich (Julika) hatte das Glück in einem sehr typischen, philippinischen Haus zu wohnen: einer Bambushütte, die auf Stelzen gebaut worden war, umgeben von Palmen, Bananenstauden und Mangobäumen. An der Vorderseite des Hauses hing ein großes Willkommensschild, sodass ich mich vom ersten Augenblick an wohl fühlte. Insgesamt sechs Personen, mit mir dann sieben, wohnten dort zusammen und teilten sich drei Räume, was für Philippinos nicht unüblich ist. Ich war völlig überwältigt von den ersten Eindrücken. Natürlich war dieses enge Zusammenleben nicht immer ganz einfach und Privatsphäre so gut wie ausgeschlossen, doch gerade auf diese Art und Weise lernte man das wirkliche Leben der Familie kennen und fühlte sich in die Familie aufgenommen, was ein tolles und einzigartiges Gefühl war.

:: »Vom Karaoke-Singen und geselligen Abenden«

Karaoke-Singen während einer Solidarity-Night[2008]

Leider konnten wir, da wir morgens zusammen auf der Farm frühstückten und bis ungefähr 15 oder 15.30 Uhr auf der Baustelle arbeiteten, nur die Abendstunden zu Hause erleben. Den ersten Tag jedoch verbrachten wir komplett mit unserer Gastfamilie und hatten die Möglichkeit diese besser kennen zu lernen. Eine überwältigende Gastfreundschaft wurde uns entgegengebracht, sodass es keinem von uns schwer viel sich in der Familie wohl zu fühlen und einzuleben. Die Zeit, die man zusammen verbringen konnte, war immer wunderschön. Es wurde geredet, gelacht, gesungen, getanzt, Karten gespielt oder auch mal in die Karaokebar gegangen. Jeden Freitag hatten wir unsere Solidarity-Night, zu der alle Gastfamilien eingeladen waren. Kleine Tänze wurden aufgeführt und die eingeübten Lieder vorgesungen, sowie viele Spiele gespielt.Diese Abende waren immer sehr schön, lustig und schweißten uns mit den Philippinos und besonders auch mit unseren Gastfamilien immer mehr zusammen.

:: »Über den harten philippinischen Alltag«

An den Abenden daheim standen für alle Nachbarn, Freunde und Bekannte jederzeit die Türen in den Gastfamilien offen, sodass man viele weitere Leute kennen lernte. Nachbarschaftshilfe ist auf den Philippinen nämlich groß geschrieben! Doch durch den intensiven Kulturaustausch in den Familien bekamen wir natürlich auch die Probleme mit, die in den Familien herrschen: Die täglichen Herausforderungen des harten Lebens, denen sich jede Familien stellen muss; die steigenden Energie, Reis- und Nahrungsmittelpreise die bezahlt, die Großfamilien und Tiere, welche ernährt werden müssen und dazu die tägliche harte Arbeit. Zudem sind die Arbeitsplätze auf den Philippinen sehr rar, sodass man von Glück sprechen kann, wenn man einen Job gefunden hat, mit dem man seine Familie ernähren kann. Oft macht man sich Gedanken über das, im Vergleich sehr luxuriöse Leben in Deutschland und man fängt an, sich über seinen eigenen Lebensstil Gedanken zu machen. Jeder Einzelne von unserer Gruppe, aber auch von den Philippinos, hat eine Menge neuer Erfahrungen fürs Leben gemacht, viel über die philippinischen, bzw. deutschen Sitten und Bräuche, sowie Lebensumstände gelernt und vor allem, was das Wichtigste ist, Freunde fürs Leben gefunden!!