Rezept für einen anderen Heimweg
Dieser Text von Kathrin Thölking (23) und Katrin Brengel (25) ist im Infoheft Nr. 26 (2008) erschienen.
:: »Gemeinsamer Heimweg«
Wir sind zwei Mädels aus dem Saarland, die durch Zufall beide in Bamberg studieren. Diesen Sommer durften wir eine dritte Heimat teilen: Die Philippinen. Da unsere Wohnungen in Bamberg nahe beieinander liegen, war es für uns nichts Neues, unseren Heimweg zu teilen. Jedoch merkten wir schnell, dass ein gemeinsamer Heimweg nicht gleich bedeuten muss, an Fachwerkhäusern vorbeizuschlendern und über die Uni zu quatschen oder gut gelaunt aus der Disko zu kommen. Nein, ein Heimweg kann auch ganz anders aussehen.
:: »Man nehme«
- eine große Tasche
- eine Flasche Wasser
- einen einheimischen (möglichst männlichen) Begleiter
- ausreichend Autan, Nobite, Noskito, Zedan oder Sonstiges
- brauchbares Schuhwerk: Flip Flops
- eine Taschenlampe
- ein paar gespitzte Ohren
- ein gewisses akrobatisches Geschick
- 50 freundliche „maayong gabii“ bzw. „good evening“s
- eine Vorliebe für bellende Hunde
- wahlweise Schweißtuch und/oder Fächer
- eine gewisse Willensstärke, um sich nicht von den Angeboten der zahlreichen Shops (z.B. Snacks) verführen zu lassen
:: »Die Vorbereitung«
Man nehme seine Tasche und packe seine 7 Sachen sowie eine gefüllte Wasserflasche ein und bereite seinen Begleiter auf den baldigen Heimweg vor. Hierbei ist es ratsam, sich in Kleingruppen mit umliegenden Nachbarn zusammenzuschließen. Es sollte dabei beachtet werden, dass die Autandusche auch das letzte Stückchen Haut bedeckt.
:: »Der Heimweg«
Nachdem Sie das quietschende Tor hinter sich gelassen haben, ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um ihre Taschenlampe auszupacken, ihr Gehör zu spitzen und ihr akrobatisches Geschick zu nutzen um jegliche Hindernisse (z.B. Schlammlöcher, „Kleintiere“, etc.) zu umgehen. Wenn sie nun die zahlreichen Bambushütten mit einen freundlichen maayong gabii passiert haben und sich die bellenden Hunde von ihrem furchtlosen „Tss Tss“ nicht haben abschrecken lassen, stärkt ihnen ihr Begleiter mit einem freundlichen „Ladies first“ gerne den Rücken.
Nach einem kurzen Zwischenstopp um mitreisende Nachbarn sicher in die Arme ihrer Gastfamilien zu entlassen haben sie ihr Ziel erreicht: Ein kleines Häuschen mit winzigem integrierten Kiosk, in dem eine 5 köpfige Familie in den letzten Zügen der Essensvorbereitung steckt. Bevor sie sich zu diesen freundlich lachenden Menschen dazu gesellen, wird ihnen angeraten ihre schlammigen Füße und ihre dreckigen Hände zu waschen sowie ihren Schweiß, der sich nicht nur auf der Stirn befindet, mit dem extra mitgebrachten Schweißtuch abzuwischen.
:: »Für Fortgeschrittene«
Falls ihnen der Weg durch die Wildnis noch nicht genug war oder ihr zu Hause einfach ein Stück weiter ins Ortsinnere führt, folgen sie den weiteren Schritten: Auch auf dem als Hauptstraße bezeichneten asphaltieren Weg gibt es einiges zu entdecken. Ratsam ist es hier, seine Sinne für andere Gefahren zu sensibilisieren wie z.B. Tricycles, Motorräder und sonstige fahrbare Untersätze, denen es aus dem Weg zu springen gilt. Die dabei abgegebenen Kussgeräusche sind nicht als Anmache sondern als Warnsignale zu interpretieren. Wenn sie es dann auch noch geschafft haben, sämtlichen Versuchungen wie z.B. getrockneten Mangos an den zahlreichen Straßenständen zu widerstehen haben auch sie ihr Ziel erreicht: In diesem Fall ein kleines Häuschen, in dem eine zauberhafte Familie mit Katz und Hund mit einem frischen Glas Kokusnussmilch bereits auf sie wartet.
:: »Heimat«
Dieser Weg mag gefährlich klingen aber es ist ein Weg des Herzens, denn er wird immer der Weg zu unserer anderen Heimat bleiben, den wir immer wieder gerne zusammen beschreiten. Die intensiven Gefühle und Gedanken, die uns dabei begleitet haben, haben unsere Freundschaft untereinander und unsere Freundschaft zu unseren philippinischen Partnern, sowie unseren Charakter positiv geprägt.





