Baubericht 2008

Der folgende Text wurde von Karl Schott (20), der Bauleitung des Baucamps 2008, verfasst. Er ist auch im Infoheft Nr. 27 (2008) erschienen. 

:: »Zum Glück: Arbeit im Schatten«

Wieder einmal sind vier Wochen Baucamp vorbei und selbst nach mehreren Jahren Baucamperfahrung bin ich immer wieder überrascht, wie viel die Gruppe gemeinsam mit unseren philippinischen Freunden erreichen konnte. Nachdem letztes Jahr das Fundament und die Säulen fertig gestellt worden waren und während unserer Abwesenheit dem Ganzen ein Dach aufgesetzt worden war, begannen wir dieses Jahr mit den Mauern. Zwar hatten wir jetzt ein Dach über dem Kopf und wir waren so nicht mehr den direkten Sonnenstrahlen ausgesetzt, jedoch waren immer wieder auch Arbeiten außerhalb des Gebäudes zu erledigen. Zum Beispiel mussten wir die Steine (hallowblocks sind die uns bekannten Hohlblocksteine) in die Gebäudeecken verteilen, was über die altbekannte Steinkette lief. Ein Stein erscheint zunächst recht leicht, jedoch nach ca. 300 Mal Hochheben und Weiterreichen werden auch die leichtesten Steine schwer. Außerdem hatte das Hochziehen der Außenmauer in der prallen Sonne zu geschehen, da diese logischerweise nicht immer im Schatten liegen konnte.

:: »Damit die Kooperation auf dem Bau klappt«

Der Rohbau bei der Ankunft der Baucampler [2008]

Auf dem Bau hatten wir immer vier ausgebildete Bauarbeiter mit uns, welche genau wussten was der nächste Arbeitsschritt ist und uns die nötigen Anweisungen gegeben haben. Jeden Morgen, 15 Min. vor Arbeitsbeginn, gab es ein Treffen zwischen dem Architekt (Sidney Alan Sanes), den Projektpartnern von NAFTEC (Rhodelia Viajedor), einem Repräsentant des CYSC (Marjorie) und der Bauleitung des Steinschleuder e.V., bei dem die wichtigsten Schritte des Tages besprochen wurden, sodass von allen Seiten jemand über die tägliche Arbeit im Bilde war, um kleinen Unstimmigkeiten und Missverständnissen vorzubeugen. Generell hat die Zusammenarbeit zwischen den philippinischen Arbeitern, dem Architekten und den Freiwilligen sehr gut geklappt. Im Laufe des Baucamps konnte haben wir uns deutlich zu einem eingespielten Team entwickelt. Die Bauarbeiter haben für Arbeit für die Gruppe gesorgt und die Gruppe hat diese so schnell und sauber wie möglich erledigt. Dann folgten die Nachbereitung und die erneute Vorbereitung der Bauarbeiter. Ein einziges Problem gab es am vorletzten Arbeitstag, da die Lieferung des Sandes nicht eintraf und am nächsten Tag in der falschen Qualität geliefert wurde. Im Folgenden werden nun unsere wichtigsten Arbeitsschritte ein wenig erläutert.

:: »Mauern & groben Zement mixen«

Da wir dieses Jahr eine Gruppe von „nur“ zwölf Personen waren und davon lediglich fünf bereits Baucamperfahrung und die damit verbundene Kompetenz im Mauern hochziehen hatten, rechnete ich erst damit, anfangs recht langsam voranzukommen. Nach nur einem Tag hatten jedoch bereits die ersten den Dreh raus und sogar die Bauarbeiter waren der Meinung, nichts mehr groß verbessern zu können. Bei dieser Arbeit war wieder einmal die doch sehr pingelige, deutsche Genauigkeit zu beobachten. Zwar hatten uns die Bauarbeiter erklärt, es sei nicht ganz so wichtig die Mauern 100% gerade zu mauern, da einige Unebenheiten durch das Verputzen „ausgebügelt“ werden, jedoch haben wir mal wieder nicht genug hin und her tüfteln können. Auch die philippinischen Freiwilligen hatten schnell den Dreh raus und haben trotz des extremen Größenunterschieds (was das Aufsetzen der Steine ernsthaft erschweren kann) tapfer mit gemauert.

Zwei Baucampler beim Mauern

Zum Mauern gehört natürlich auch Zement und der will erstmal gemixt werden. Letztes Jahr machten wir die tolle Erfahrung einer Zementmischmaschine. Wir erfuhren jedoch dieses Jahr, dass die nur wegen der schweren Kieselsteine für das Fundament vorhanden war und wir den Luxus, Zement aus der Maschine zu bekommen, nicht mehr genießen können. Für die Gruppe war das kein Problem. Schnell ein paar Schaufeln in die Hand genommen und mal eben 13 Sack Sand und zwei Sack Zement gemischt. Wenn man mal sechs bis acht Mischungen am Tag gemacht hat, hat man auch raus wie man am besten „umrührt“.

:: »Moniereisen sägen & 7x7 = feiner Sand«

Letztes Jahr wurden in das Fundament eine Menge Moniereisen eingearbeitet, welche wir dieses Jahr verlängert haben und über die dann die Hohlblocksteine gesteckt wurden. Diese Moniereisen kamen jedoch in ca. fünf Meter Länge auf der Baustelle an und mussten dann noch per Hand in die richtige Länge gesägt werden. Eine Arbeit für die etwas Erschöpften im Schatten, jedoch auf Dauer trotzdem anstrengend. Zu dieser Arbeit gehörte auch eine Rolle Draht in ca. 20cm lange Stücke zu schneiden, welche dazu verwendet wurden, die Moniereisen zu verbinden.

7x7 = feiner Sand [2008]

Da wir für das Mauern groben Sand benötigten, mussten wir diesen für das Verputzen der Wände sieben. Dies war wieder eine Arbeit, die in der Sonne verrichtet wurde und extrem anstrengend und muskelkaterfördernd für die Schultern war. Man steht dabei vor einem aufgehängten Netz und schüttelt dieses so lange, bis nur noch Steine im Netz und feiner Sand unterm Netz liegen.

:: »Und zu guter letzt: das Verputzen«

Verputzen war wahrscheinlich die beliebteste Arbeit. Auch hier war ich wieder erstaunt, wie schnell die Gruppe gelernt hat. Die fünf von uns, die schon mal auf einem Baucamp waren, hatten ein wenig Erfahrung damit, den gemischten Zement auf eine Kelle und dann mit viel Schwung an die Wand zu „klatschen“. Klingt ganz einfach, ist es aber ganz und gar nicht. Wenn die Wand nicht nass genug ist, was bei dem Klima schnell der Fall ist, oder der Zement zu trocken oder zu nass, hält er nicht und fällt nach kurzer Berührung mit der Wand sofort wieder runter. Bis man den Schwung und die richtige Menge auf der Kelle abschätzen kann (zu viel Schwung verteilt den Zement zu großflächig auf der Wand), dauert es schon eine Weile. Nachdem wir den Zement auf der Wand verteilt hatten, waren die Bauerbeiter an der Reihe und glätteten die Wände. Bei dieser Arbeit wurde dann auch der ein oder andere Fehler in der Mauer korrigiert, da die Dicke des Verputzes an den Säulen abgemessen wurde, welche genau und gerade gegossen wurden.

:: »Ein liebgewonnenes Ritual: Held-des-Tages«

Ein Held des Tages für unermüdliche Zuarbeit [2008]

Am Ende konnten wir jedoch mit viel Zufriedenheit fasst alle Wände des Gebäudes fertig stellen. Nach jedem Arbeitstag wurden natürlich die Geräte gründlich gesäubert und es gab wie die letzten Jahre auch, wieder die Verleihung des „Held-des-Tages-T-Shirts“. Dieses T-Shirt wurde täglich an eine Person mit besonderer Leistung verliehen. Dazu traf nach Arbeitsende die Gruppe zusammen und es konnten Vorschläge und Stimmen abgegeben werden. Der Gewinner und „Held des Tages“ erhielt das T-Shirt, nahm es mit nach Hause, unterschrieb darauf und erschien am nächsten Morgen mit dem T-Shirt wieder auf der Baustelle. Diese kleine Verleihung am Ende des Tages wurde freudig aufgenommen und gab dem einzelnen Arbeitstag einen netten Abschluss. Im Großen und Ganzen blicke ich in der Funktion als Bauleitung zufrieden auf eine angenehme Zeit ohne Ärger und Probleme zurück und bewundere die Gruppe für die gute Arbeit und den Teamgeist auf der Baustelle, sowohl innerhalb der deutschen Gruppe, als auch noch viel mehr in der internationalen Gruppe.