Baubericht des ersten Baucamps (2007)
Der folgende Text von Hanne Leßau (23) ist in Infoheft Nr. 26 (2008) erschienen. Hanne Leßau ist beim ersten Baucamp auf den Philippinen in der doppelt besetzten Bauleitung gewesen.
:: »Von Quadratmeterzahlen und Bauplänen«
Das erste Baucamp des Steinschleuder e.V. in Asien wird seit diesem Sommer in der philippinischen Provinz Cebu, nahe der Stadt Naga durchgeführt. Binnen zwei Jahren soll ein Bildungszentrum entstehen, das einer Bibliothek, einem Labor für Experimente zum organic farming, einem Büro, zwei Klassenräumen, einem Vortragsraum und sanitären Anlagen Raum bietet. Das Ganze verteilt sich auf cirka 234m², d.h. heißt einer Gebäudelänge von über 27m und einer Breite von 9m. Dies waren zunächst auch für uns nur ziemlich abstrakte Zahlen, die sich jedoch sofort mit Leben füllten, als es beispielsweise hieß, für die gesamte Grundfläche den Humus (die ersten 10cm Boden) abzutragen oder sperrige, schwere Materialen auf die andere Gebäudeseite zu transportieren (Steine, Beton u.a.).
:: »Rückstand ist stillschweigend zu beheben«
Ursprünglich war geplant, dass nach unserem diesjährigen einmonatigen Aufenthalt weitere drei Monate von den lokalen Fachkräften weitergearbeitet würde und dasselbe im nächsten Jahr für die zweite Bauphase. Auf die Frage wie realistisch die Einhaltung dieses Planes sei, sagte der zuständige Architekt Mr. Sanes beim Abschlusstreffen, dass durch die unerwartet großartige Mitarbeit der deutschen und philippinischen volunteers nur noch mit weiteren zwei Baumonaten gerechnet werden müsse. In diesem Zusammenhang „gab“ er denn auch „zu“, dass er höchst erstaunt gewesen sei, uns „Gäste“ tatsächlich und dazu noch so hart und gut arbeiten zu sehen. Er habe im Vorfeld mit seinem Team von sechs skilled workern ausgemacht, uns alle Freiheiten zu gewähren und sämtliche Fehler und erwarteten Rückstand stillschweigend außerhalb unserer Arbeitszeiten zu beheben...
:: »Jenseits von materiellen Fortschritten«
Glücklicherweise hat sich dieser enorm große Respekt, der sich vor allem durch Höflichkeit, Entgegenkommen und Behutsamkeit ausdrückte und zu einigen wenigen Anfangsschwierigkeiten beitrug, verblüffend rasch mit einem äußerst engen Miteinander vereinen lassen. Auf diese Weise entstand neben materiellen Fortschritten auf dem Bau eine für eine erstmalige, beginnende Projektpartnerschaft außergewöhnlich effektive, durch Offenheit geprägte, Kooperation. Ob es darum ging Humus abzutragen, 25 Löcher zu graben (1,2m in allen drei Dimensionen!), 25 „Säulenskelette“ aus Eisenstangen anzufertigen, Betonmischungen anzufertigen, diese per sog. Eimerkette an die gewünschte Stelle zu transportieren, letztlich gab es insgesamt gesehen wenig Material- oder Arbeitsengpässe bzw. Fehlkommunikation und Missverständnisse.
:: »Ein Fundament und erste Mauern«
Auf diese Weise können wir – allerdings auch nur dank der tatkräftigen Unterstützung von durchschnittlich 10 philippinischen volunteers der Jugendorganisation CYSC – nach diesem ersten Baucamp bereits auf ein abgeschlossenes Fundament des Bildungszentrums blicken sowie auf einen cirka halben Meter hohen „Mauerring“, der nach unserer Abreise kontinuierlich zu Wänden aufgestockt wird. Eine solch unkomplizierte Projektkooperation auf der Baustelle lässt für das kommende Jahr vor allem eines zurück: Vorfreude!



