Ein Unternehmen in der Verantwortung
Der folgende Text von Max Schmidtke und Simon Rothers ist auch im Infoheft Nr. 27 (2008) erschienen.
:: »Arbeitgeber & Umweltverschmutzer«
Der kleine James ist erst 5 Jahre alt und hat bereits Asthma. Wie bei vielen seiner Freunde liegt winziger Staub auf seinen Bronchien. Staub aus der Luft, der ihn nachts husten lässt und teure Medikamente erforderlich macht. Wenn man von dem kleinen Haus der Familie aufschaut, erblickt man die Meter hohen Betontürme der ansässigen Zementfabrik APO Cement. Ursprünglich staatlich geleitet, gehören die Produktionsanlagen seit 1999 dem weltweit drittgrößten, mexikanischen Zementkonzern Cemex. Die Fabrik, die sich schon bereits seit den 1920er Jahren wie ein Moloch in die Landschaft frisst, stellt für die Menschen in den acht umliegenden Ortsteilen der Stadt Naga und für die Landschaft, ein hohes Gesundheitsrisiko dar. 750 Arbeiter, sowohl eigene als auch fremd engagierte Zeitarbeiter, arbeiten für den Betonkoloss.
:: »Über den Produktionsprozess von APO«
Kilometerweit fressen sich die Fördermaschinen stufenweise in die kalksteinhaltige Bergkette, die sich direkt an der Küste erhebt. Von dort aus wandert der Kalkstein, der den Hauptbestandteil der Zementherstellung darstellt, auf Lkws in riesige Lagerhallen, wo der Stein auf 80mm große Stücke herunter gebrochen wird. Weiter geht es auf Förderbändern in die Produktionshallen zum Mischen und anschließendem Brennen mit anderen angelieferten Zusatzstoffen. Nach dem Verklinkern wird die erkaltete Legierung fein gemahlen und mit Porzellan und anderen Stoffen gemischt. Anschließend werden die Säcke auf Lkws abtransportiert oder direkt auf Schiffe verladen. Zur Verbrennung wird zusätzliche Kohle und zur Produktion zusätzliche Energie benötigt, die APO in eigenen Diesel-Kraftwerken selbst gewinnt. Das bedeutet, dass zusätzlicher Rauch und Staub in die Luft gelangt. Dieser Produktionsprozess belastet nicht nur die Luft, sondern auch das fischreiche Küstengewässer. Die verschmutzte Luft führt, laut umliegenden Krankenhäusern, zu einer erhöhten Ausbreitung von Lungenkrankheiten und die abgetragenen Berge verlieren ihre natürliche Schutzfunktion gegenüber Stürmen vom Meer, während der schwindende Baumbestand an den Hängen die Gefahr von Erdrutschen mit sich bringt.
:: »Ein Unternehmen in der Pflicht...«
Die Umweltverschmutzung, die auf den Philippinen bedrohliche Ausmaße annimmt, veranlasste die Regierung 1998 dazu, Großkonzerne zum ökologischen und sozialen Engagement zu verpflichten. So muss APO per Gesetz jährlich 3 – 5% bzw. umgerechnet ca. 90.000 € seiner Produktionskosten in Projekte investieren, die dem Erhalt und Schutz der Umwelt, sowie dem Wohl der anliegenden Gemeinden dienen. Seither stellt die Firma Mittel zur Verfügung, um etwa bereits abgebaute Berge aufzuforsten oder zu Flutwasserbecken umzubauen und neue Filteranlagen zu installieren. Dank diesen konnte im letzten Jahr zum ersten Mal der selbst gemessene Grenzwert zur Luftverschmutzung eingehalten und ein Teil des Staubs, der sonst in die Luft gelangen würde, in die Produktion zurückgeführt werden. Dadurch zeigt sich für das Unternehmen auch ein betriebswirtschaftlicher Vorteil des Umweltschutzes.
Neben den ökologischen Projekten verfolgt APO seit kurzem auch soziale Programme. Die Gelder, die zuvor noch an die Stadtverwaltung überwiesen wurden und dort zum größten Teil versickerten, fließen nun direkt an Nichtregierungsorganisationen. Zum Beispiel an unseren Steinschleuder-Projektpartner NAFTEC. Trotz einigen Vorbehalten, entwickelte sich eine Partnerschaft, die für beide Seiten Vorteile bringt. APO unterstützt NAFTEC bei der Herstellung von handgefertigten Wischlappen, sowie die Bildungsarbeit im neu entstandenen Multipurpose Building und sorgt somit für die Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit seines Engagements.
:: »...doch die Skepsis bleibt«
Darüber hinaus unterhält APO eigene Projekte. So findet alle drei Monate in einem der betroffenen Barangays (=Stadtviertel) ein „Free Hospital Day“ statt, an dem sich die Bewohner kostenlos von Ärzten behandeln lassen können. Doch trotz dieser Bemühungen um einen besseren Unternehmensruf bei der Bevölkerung, bleibt diese skeptisch. Es fällt dem Unternehmen schwer Leute für sich zu begeistern oder zumindest den Kontakt herzustellen. Selbst Mandy Viajedor und Gloria Pocot, die beiden Betreiberinnen der NAFTEC-Farm können APO Cement kein Vertrauen entgegenbringen. Zu groß sind die Sorgen um die eigene Gesundheit, zu gering die Aufklärung der Bevölkerung durch das Unternehmen. Die Kalksteinvorkommen der Gegend werden noch jahrzehntelang zum Abbau ausreichen, die Fabrik noch ebenso lange Abgase in die Luft pusten. Den Menschen bleibt nichts anderes übrig, als sich mit dem Koloss zu arrangieren. Ob James sich auch noch um den Atem seiner eigenen Kinder sorgen muss, hängt ganz davon ab, inwiefern APO Cement seiner ökologischen und sozialen Verantwortung in Zukunft gerecht werden wird und inwieweit es gelingt das Unternehmen vom Sinn sozialen Engagements zu überzeugen.




